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Rundbrief 2010 Drucken

Liebe Freundinnen und Freunde von Caminhar Juntos,

 

vor mehr als zwei Monaten sind wir aus Brasilien zurückgekommen – eine große Umstellung aus der Wärme dort, in die Kälte hier.  Bei unserer Rückkehr fällt uns die große Kahlheit in der Natur besonders auf, denn dort ist immer alles grün. Inzwischen grünt und blüht es auch hier, eine Wohltat für unsere Augen.

 

Projekthaus
Projekthaus mit Kindern

In Brasilien haben wir die Mitarbeitenden und den Vorstand der Association Caminhar Juntos erschöpft und oft mutlos angetroffen. Die Arbeit mit den Schulkindern geht weiter, jedoch nur im vorderen Teil des Projekthauses – die hinteren Räume werden zum Lagern von Lebensmitteln und anderen Materialien benutzt. Alles geschieht auf „eigene Gefahr“. Obwohl einige geologische Gutachten besagen, dass keine Gefahr eines Erdrutsches hinter dem Haupthaus besteht, gab die Stadtregierung kein grünes Licht für die Benutzung der Räume. Die Situation zerrt an den Nerven aller Erwachsenen im und um das Projekt. Sie haben so viele gute Ideen, die aus Raummangel nicht verwirklicht werden können. Schon vor einem Jahr wurde der Genossenschaft ein Grundstück zum Bau von Ausbildungsstätten versprochen, der Zeitpunkt der Vertragserstellung aber immer weiter verschoben. Es gibt Firmen, die den Bau der Werkstätten mitfinanzieren wollen, aber der Grund und Boden fehlt noch. Eine gute Nachricht erhielten wir jetzt per Telefon: Ein vierseitiges Gutachten der Geologen des Staates Santa Catarina gestattet die Benutzung aller Räume des Haupthauses. Jetzt sind Handwerker dabei, die Räume wieder benutzbar zu machen   - ein Lichtblick!

 

Schwester Gerda spendet Trost
Schwester Gerda spendet Trost

Sehr gut ist, dass die Kinder durch die Sorgen der Erwachsenen im Projekt nicht belastet sind. Schon am Tor lassen sie meist zurück, was sie in ihrem kleinen Leben beschwert. Außerdem finden sie in den Mitarbeitenden verständnisvolle und  hilfreiche Erwachsene, denen sie ihr Herz ausschütten können, die zuhören, trösten, Mut machen, oder auch Abhilfe schaffen. Für uns ist es immer eine große Freude, von der munteren Schar liebevoll empfangen zu werden. Auffällig ist, dass es in der großen Gruppe so wenig Streitigkeiten unter den Kindern gibt und dass gelegentlich auftretende Differenzen nicht mehr handgreiflich ausgetragen werden. Es ist ruhiger geworden trotz der Engigkeit.

 

Große Freude machen uns auch die beiden Jugendlichen, die für ein Taschengeld mitarbeiten. Alex Junior war nach der vierten Klasse nicht mehr zur Schule gegangen; jetzt holt er in der Abendschule die 5. und 6. Klasse gleichzeitig nach. Außerdem besucht er einen Informatikkurs. Alex ist ein begabter Fußballspieler. Er wird von seinem Trainer besonders gefördert und auf Profi-Fußball vorbereitet. Vielleicht hören wir in einigen Jahren von ihm. Wir sind immer wieder erstaunt, wie der Junge – er ist jetzt 16 Jahre alt – das alles schafft. William ist genau so alt wie Alex Junior. Er hat eine besondere Beziehung zu Genie, der Frau, die kocht und die Räume sauber hält. Für William ist es kein Problem, dabei fröhlich mitzutun. Auch er macht einen Informatikkurs und besucht am Abend weiter die Schule, um einen Abschluss zu erreichen, der es ihm ermöglicht, später ein Studium anzuschließen. Er möchte Jurist werden! Leider wird er von seiner Mutter in seinem Vorhaben in keiner Weise unterstützt, das führte dazu, dass er schon mehrfach seine Tätigkeit gegen eine kurzfristige, besser bezahlte Arbeit tauschte. Eine Erfolgsgarantie wird es auch in diesem Projekt nicht geben, trotzdem werden wir unsere Hand zur Hilfe anbieten.

 

Zur Tradition sind die Jahresausflüge ins Schwimmbad geworden. Wir sind gerne dabei, obwohl die Kinder uns bis an die Grenze unserer Belastungsfähigkeit fordern. Viele wollen mit unserer Hilfe schwimmen lernen, was im Meer nicht möglich ist. Mit großer Freude schießen sie auch die lange Rutsche hinunter und wollen unten von uns aufgefangen werden, oder  sie springen vom Rand in unsere Arme. Nur ganz wenige Kinder haben Angst, die meisten sind sehr mutig und vertrauensvoll.

Trotz aller Schwierigkeiten kann man sagen, dass sich unser Engagement lohnt. Es werden täglich ca. 80 Kinder betreut, die gesundes Essen erhalten, unbeschwerte Stunden erleben, musikalisch und handwerklich gefördert werden. Ihnen werden Werte vermittelt, die sie in ihr Leben und darüber hinaus in ihre Familien mitnehmen. Durch einen Aufruf in der regionalen Presse zu ehrenamtlicher Mitarbeit im Projekt Caminhar Juntos gibt es jetzt mehr praktische Hilfe, so arbeitet eine Psychologin ehrenamtlich mit, die besonders traumatisierten Kindern hilft.

 

Noch ein Wort zum Geld: Die Eurokrise macht auch uns zu schaffen. Bekamen wir 2005 noch 3,60 Reais für einen Euro, so sind es jetzt nur noch 2,23. Das heißt natürlich, dass wir für die gleichen Gehälter mehr Geld überweisen müssen. Auch für unser Projekt können wir nur hoffen, dass der Euro sich bald erholt!

 

Ganz herzlich danken wir Ihnen, auch im Namen von der Direktion von Caminhar Juntos, besonders von Schwester Gerda für Ihre Hilfe und Ihr Mittragen. Wir wünschen Ihnen einen sonnigen Sommer mit guten Erlebnissen

 

Ihre Erika Kirse
Minden, 15. Juni 2010

 

Wenn Sie helfen möchten, spenden Sie bitte unter dem Verwendungszweck „Caminhar Juntos“ auf folgendes Konto:

Kinderbrasil: Postbank Dortmund, Kontonummer: 696 000 460, BLZ: 44010046

ODER

Spendenkonto: Erika Kirse, Sparkasse Minden-Lübbecke BLZ 490 50101 Kontonr.: 84 472 133
Verwendungszweck: Caminhar Juntos sowie den eigenen Namen mit vollständiger Anschrift für die Spendenbescheinigung, die immer zu Beginn des Folgejahrs verschickt wird