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| Bericht 1 Familie Müller |
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Deutsch-Brasilianischer Alltag in Picarras
Christiane am Strand von Picarras
Hinter den ersten drei Querstraßen in Strandnähe machen sich die typischen Favela-Siedlungen breit. Familien mit vielen Kindern, bei denen der Vater oftmals irgendwann verschwunden ist, haben brachliegendes Land besetzt. Mit einfachen Materialien haben sie darauf ihre Holzhütten gebaut, so wie überall in Brasilien. Sie sind geduldet, solange sich die Kriminalität in Grenzen hält. In Rio beispielsweise haben wir ein Kultur-Projekt („Nos do Morro“) in einem Favela besucht, das an einem Berghang oberhalb von Leblon und Ipanema liebt. Sobald man von der Hauptstraße in das Favela einbiegt, wimmelt es von Moto-Taxis und jungen Menschen, die allesamt verwegen drein schauen. Tiago, unser Begleiter und wir waren sehr darauf bedacht, dort ja nicht eine falsche Straße zu nehmen und rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit wieder draußen zu sein. Nun zum Anlass, warum wir hier sind. Wir hatten seit Februar im Kopf, in einem sozialen Projekt für einige Wochen mit zu arbeiten. Hier dürfen wir es. Das Projekt heißt „Caminar Juntos“ (gemeinsamer Weg) und wurde von deutschen Schwestern vor 8 Jahren ins Leben gerufen, um die Mütter des angrenzenden Favelas zu entlasten und die Kinder von der Straße zu holen. Tagsüber werden dort an die 90 Kinder zwischen 3- und 12 in zwei Gruppen betreut. Während die eine Hälfte der älteren Kinderin die Schule geht, machen die anderen Hausaufgaben, basteln und spielen mit den Erzieherinnen. Zum Abschluss gibt es eine warme Mahlzeit. Spiel "faul Ei" Leiter und Animateure beim Kinderfest
Wir haben mit den Leiter/innen besprochen, dass Christiane zu den Kleineren, Frank zu den älteren Kindern geht. Erst einmal wollen wir zuschauen und assistieren, bevor wir ggf. eigene Aktivitäten starten – in Musik, mit Bewegung, Sport und Video. Für das Gespräch mit den Erwachsenen reichen unsere Portugiesisch-Kenntnisse, da sie alle auch ganz gut Deutsch verstehen, teilweise sogar sprechen. Denn hier hat nahezu jeder zweite deutsche Wurzeln. Die Kindersprache ist natürlich schneller und für uns noch nicht zu erfassen, aber das kommt noch. Am ersten Tag, als wir dort waren, haben wir dennoch mit vielen Kindern Kontakt bekommen – über Lachen, Unsinn reden oder im Bewegungsspiel. „Faul Ei“ verbindet überall auf der Welt. Niklas und Jasper werden in die mittlere Gruppe gehen – da sind sie ihre Eltern zeitweilig los und wir unsere Doppelrolle. Sie haben über Ballspiele und Fangen schon erste Freundschaften geschlossen. Hoffentlich können sie bald bei anderen Aktivitäten mitwirken, wo sie dann ruhiger werden und langsam in die Sprache reinfinden. Fest im Kinderprojekt
Dies wird uns ermöglicht durch das wunderbare Angebot von Schwester Erika, hier in ihrem Haus zu wohnen. Sie lebt in Minden und kommt jedes Jahr für einige Wochen hierher. Sie hat mit anderen (deutschen) Frauen hier ein Beziehungsnetz aufgebaut, das uns freundlich aufnimmt. So Irene, die zunächst zwei Jahre in Erlangen, danach 40 Jahre in Sao Paulo für Siemens gerarbeitet hat und nun die Projektleitung ausübt. Oder Elisabeth. Geboren in Rottweil hat sie Anfang 20 Entwicklungsdienst in in Südbrasilien gemacht und hat mit ihrem deutschen Mann einen landwirtschaftlichen Betrieb in Norddeutschland aufgezogen und nebenbei im Krankenhaus gearbeitet. Auf Drängen ihres Mannes ist sie nach wenigen Jahren mit nach Paraguay gegangen und hat dort abenteuerliche Jahre verbracht, unter anderem beim Aufbau eines Betriebes für Baumaschinen. Ihre Geschichten sind abendfüllend und handeln von Intrigen und vom Großmut der Menschen. Jetzt genießt sie die angenehme Umgebung von Picarras und kümmert sich um die Finanzen von Caminhar Juntos. |

